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Südosteuropa-Akademie: „Ökumenischer und interreligiöser Dialog als Beitrag zum Frieden“

Am Podium als Diskutanten: Memic, Laretzakis, Larcher, Huhant, Heppner 
Am Podium als Diskutanten: Memic, Laretzakis, Larcher, Huhant, Heppner

"Ich bin Bosnier und fühle mich nicht nur als Moslem, sondern auch als Europäer und verurteile jegliche Art eines islamischen Extremismus, für den es im Koran auch keine Grundlage gibt". Mit solchen klaren Worten bekannte sich der Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht für Kärnten und Steiermark, Esad Memic, am zweiten Diskussionsabend der "Südosteuropa-Akademie Graz" zu gemeinsamen europäischen Werten. Ziel der Religionen müsse es sein, sich für den Frieden einzusetzen und diese Gemeinsamkeit hervorzuheben, unterstrich er bei der Veranstaltung, die unter dem Titel „Ökumenischer und interreligiöser Dialog als Beitrag zum Frieden“ am 17. November 2005 im Grand Café im Hotel Wiesler stattfand.

Der Abend widmete sich der Frage nach dem Zusammenspiel der Religionen und deren Bedeutung für den Frieden in der südosteuropäischen Region. In der Begrüßung durch den Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz Rainer Maria Bucher wurde einmal mehr auf das Ziel der Südosteuropa-Akademie hingewiesen, die konkreten Probleme der Menschen in den Nachbarstaaten im südosteuropäischen Raum aufzuzeigen. Somit ist die Universität Graz einmal mehr bestrebt, ihrer gesamtpolitischen und gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen.

In der Einleitung von Grigorios Larentzakis, Professor am Institut für Ökumenische Theologie und Ostkirchliche Orthodoxie an der Universität Graz, wurde klar, dass die Bezeichnung „Südosteuropa“ selbst bereits Fragen wie etwa: Was ist Europa? aufwirft. Beantwortet wurde diese Frage von Larentzakis mit der Festlegung, dass Europa das geographische Gebiet von Portugal bis zum Ural und von Norden bis Kreta sei. In diesem vereinten Europa seien alle unsere Nachbarn.

Der Grazer Historiker Harald Heppner stellte in seinem geschichtlichen Überblick, beginnend im Mittelalter über die Zeit der Industrialisierung bis heute fest, dass wir es mit Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu tun haben, die mehrere Jahrhunderte alt sind und sich nicht zuletzt dadurch unterscheiden, dass sie auf ein jeweils anderes materielles und geistiges Erbe zurück blicken. Ein Dialog der Glaubensgemeinschaften sei kein Zeichen für innere Reife gewesen, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, bedingt durch den politischen Druck von außen, so Heppner. Es komme letztendlich darauf an, den Dialog mit den Menschen zu suchen, damit diese überzeugt werden, dass Glaube und Verstand keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzende Seiten des menschlichen Daseins.

Als Vertreter der katholischen Fakultät an der Universität in Ljubljana, Slowenien, sprach Janez Juhant von der Notwendigkeit, über die anderen Religionen bescheid zu wissen, damit eine Begegnung möglich wird. Man könne nur zu einem Dialog bereit sein, wenn man selber integriert und gefestigt ist und nicht Angst vor Verlust haben muss.

Einen Einblick in die orthodoxe Theologie gab Grigorios Larentzakis, der darauf hinwies, dass nur in der Vielfalt der Religionen die verschiedenen Aspekte des Lebens berücksichtigen werden können und so eine friedliche Koexistenz für alle Menschen dieser Religionen erreichbar ist.

Die nächste Veranstaltung der Südosteuropa-Akademie am 15. Dezember 2005 steht unter dem Thema „Die Türkei – Kandidatin für die Mitgliedschaft in der EU?“

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