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Gipfeltreffen der Weihnachtsmänner in Russland

Auch der steirische Nikolo reiste zu „Väterchen Frost“

Wenn der russische Weihnachtsmann „Väterchen Frost“ zu seinem Geburtstag lädt, kommen sie von nah und fern: Neben den Rauschebärten aus Finnland, Schweden, der Slowakei, der Ukraine, Weißrussland und Lettland reist erstmals auch der steirische Nikolo nach Welikij Ustjug, der Heimat von „Djeduschka Moros“ im eisigen Norden Russlands.  Vor der Feier am Samstag diskutierten die Nikoläuse im Moskauer Ratshaus heute die zentrale Frage ihrer Gilde: Wovon träumen Kinder? 

Eine wahrlich märchenhafte Gesellschaft hat sich im Weissen Saal des Moskauer Ratshauses eingefunden: der finnische Santa Claus, der slowakische Mikulasch, der schwedische Tomtä oder der Heilige Nikolaus aus der Ukraine nahmen Platz am Runden Tisch. Aber auch die russischen Freunde erwiesen „Väterchen Frost“ die Ehre. So zum Beispiel „Tschys-chaan“, der „Hüter der Kälte“, aus der Region Jakutien, wo das Thermometer im Winter bis unter minus 50 Grad fällt. Zudem reiste in diesem Jahr erstmals ein Weihnachtsmann aus den Alpen zu „Väterchen Frosts“ Geburtstag – der steirische Nikolo, gespielt von der Theologin Christa Eisner aus der Kulturabteilung des Landes und begleitet von Landtagspräsident Siegfried Schrittwieser.

Unter dem Vorsitz von „Väterchen Frost“ debattierten die hohen Gäste über die Frage, wovon Kinder träumen? Sie waren sich schnell einig: „Von einer besseren Welt“, lautete der einstimmige Konsens. Dem stimmten auch die anwesenden Kinder zu: Sie wünschten sich Glück, gute Noten in der Schule und für alle Kinder ein Elternhaus. „Väterchen Frost“ jedoch erhob den Zeigefinger: „Nur wenn jeder einzelne Gutes tut, können auch wir Weihnachtsmänner helfen.“ „Es soll nicht immer nur um materielle Werte gehen. Eine bessere Welt, bedeutet auch mehr Frieden“, lautet die Botschaft des steirischen Nikolo. Um sie den russischen Kindern weiter zu geben, hat die Nikolo-Darstellerin eigens einen Schnellkurs in der Landessprache abgelegt: „Ich bin der heilige Nikolaus, der Dir Geschenke bringt“ oder auch „Gott sei mit Dir“ (Bog s taboj), die Kernsätze beherrscht Christa Eisner schon fast akzentfrei.

„Zusammenarbeit in Frieden“, lautet auch der Wunsch des Landtagspräsidenten Schrittwieser. Er war bereits vor 15 Jahren privat in Moskau und ist beeindruckt vom dichten Verkehr und der „fast amerikanischen Beleuchtung“ der Stadt. Solche Auslandsreisen seien sehr wichtig, so Schrittwieser: „Man kriegt eine andere Sicht der Dinge.“ Eingeladen wurde das Land Steiermark von ihrer Partnerregion Wologda, in der auch Welikij Ustjug, die Heimat des russischen Weihnachtsmanns liegt. Seit 2000 findet ein zunehmender Austausch mit dem nordöstlich von Moskau gelegenen Gebiet statt. Dank steirischer Technik wird im Waldreichen Wologda nun auch mit Pellets eingeheizt. Auf der Suche nach Investoren für die Sonderwirtschaftszone „Schesnak“ ist Wologda an einer Zusammenarbeit mit der steirischen Autozuliefererindustrie interessiert. Und auch ein verstärkter Jugendaustausch ist im Gespräch. Die Steiermark selbst präsentiert sich in Moskau vor allem als Tourismusziel, um noch mehr russische Gäste ins „Grüne Herz Europas“ zu locken.

Bei einem Abendessen mit dem Gouverneur von Wologda, Wjatscheslaw Posgaljow, sollen heute die angedachten Projekte konkretisiert werden. Bereits am Nachmittag überreichten ihm Nikolo und Siegfried Schrittwieser ein süsses „Steirisches Herz“. Als Geschenk überreichten ihm Nikolo Auch ein Gedankenaustausch mit dem Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkow war vorgesehen, der die Schirmherrschaft über den Weihnachtsmann-Gipfel trägt.  Der umtriebige Luschkow ist der Macher hinter der Märchenfassade. Nach einer desaströsen Hochwasserkatastrophe besuchte er Welikij Ustjug und verliebte sich in die Stadt. Moskau sponsorte daraufhin den Aufbau von „Väterchen Frosts“ Reich großzügig, das heuer seinen achten Geburtstag feiert.

Eine lange Allee durch dichten Tannenwald führt zu „Väterchen Frosts“ Holzpalast außerhalb der 35 000-Seelen-Stadt Welikij Ustjug, im Gebiet Wologda: über 1000 Kilometer nördöstlich von Moskau, auf halbem Weg zur ehemaligen Gulag-Siedlung Workuta. Hier sind die Tage im Winter kurz, die Temperaturen klirrend kalt und die Eiszapfen endlos lang.

Zu Zarenzeiten war die Stadt ein Vorposten zu Sibirien und Ausgangspunkt für Eroberer und Entdecker. Seit 1998 ist das fast 1000-jährige Provinznest erneut in aller Munde: Damals wurde es offiziell zur Heimat von „Djeduschka Moros“ und seiner Gehilfin „Snjegoretschka“, dem Schneemädchen, erklärt.

 Eine hölzerne Residenz mit drei Stockwerken und vielen verspielten Türmchen war schnell gebaut, dazu kleine Hütten für Gäste, eine Sauna, ein Schwimmbad und ein Themenpark mit Märchenfiguren. In diesen Tagen entschied Bürgermeister Luschkow zudem, in Welikij Ustjug eine Filiale des Moskauer Zoos zu eröffnen. Heute pilgern jährlich über 100 000 Besucher nach Welikij Ustjug, das ganz im Zeichen des weißbärtigen Greisen steht. Jeder an „Väterchen Frost“ addressierte Brief trifft im Weihnachtsmann-Postamt der Provinzstadt ein - bis heute über eine Million Schreiben, die alle beantwortet werden.     

Zusammen mit seinen Freunden aus allen Herren Ländern, darunter auch der steirische Nikolo, feiert „Väterchen Frost“ in seiner Märchenwelt morgen seinen achten Geburtstag mit einem grossen Festival, Theater und Konzerten. Am Sonntag aber geht es für den Nikolo zurück nach Graz, schliesslich warten auch hier viele Kinder auf seine Geschenke. In Russland müssen sie sich noch etwas Gedulden. Denn in dem ehemals kommunistischen Land legt „Djeduschka Moros“ die Gaben erst am areligiösen Neujahrstag unter den Weihnachstbaum. Die Geburt Christi feiert die orthodoxe Kirche nach ihrem Kalender am 7. Januar.

Christian Weisflog, Moskau - 17.11.2006

 

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