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Sarajevo verstehen

Eine Stadt im Fokus einer Veranstaltungsreihe - Lesung von Karahasan

Dževad Kaharasan "malte" Bilder aus Sarajewo ... © alle: europe direct Steiermark / Josef Bauer
Dževad Kaharasan "malte" Bilder aus Sarajewo ...
© alle: europe direct Steiermark / Josef Bauer
... und das mit höchst sparsamer Gestik.  © .
... und das mit höchst sparsamer Gestik.
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Lässer&Piknjac sorgten für "Harmonie" © .
Lässer&Piknjac sorgten für "Harmonie"
© .

30 hatten sich angemeldet, mit 60 rechneten die Veranstalter und dann waren am Abend des 15. April 2010 mehr als 100 im stimmungsvollen Barocksaal des Priesterseminars in der Grazer Bürgergasse, als der bosnische Schriftsteller und Dramaturg Dževad Karahasan aus seinen Werken las. Was heißt da: „las" - dieser Abend bot weit mehr als nur eine Lesung: Gedacht als einer der Höhepunkte der Sarajewo-Reihe, die mit einer Reise in diese schicksalsschwangere Hauptstadt Bosniens ihren krönenden Abschluss finden soll, entwickelte sich der Abend zu einem beeindruckenden Ereignis.
Atmosphärisch trug naturgemäß der Barocksaal selbst dazu bei. Mit dem schönen Kassettenparkett, den Ölgemälden, den Kronleuchtern und den Stukkaturen bot er einen würdigen Rahmen für die Gäste aus Bosnien. Sowohl der Autor selbst als auch die beiden Musiker fühlten sich sichtlich wohl - das Publikum ließ sich willig von dieser Stimmung anstecken.
Die sonore Stimme Karahasans kommt ohne große Gestik aus, lässt dank der fein gesetzten Akzente und der unverkennbaren Sprachmelodie Bosniens gar keine andere Wahl, als vor dem inneren Auge Bilder aus Sarajewo zu malen. Besonders beeindruckend der Brief des Freundes, der 1920 die Stadt verlässt und nach Jahrzehnten seinem in der Heimatstadt verbliebnen Kameraden das Warum erläutert.
Dass nach einer so stimmungsvollen Lesung noch eins draufgesetzt werden könnte, schafften Lothar Lässer und Ruzmir Piknjac mit teils dramatischen Klängen, die sie ihrer Harmonika und ihrem Akkordeon entlockten.
Drei Draufgaben! Und das Publikum hätt' noch eine mehr vertragen. Ein gelungener, ein sehr schöner Abend - besser hätte die Einstimmung auf die völlig ausgebuchte Sarajevo-Reise Mitte Mai gar nicht sein können.
Den Veranstaltern gebührt das sprichwörtliche Pauschallob: Akademie Graz, Kompetenzzentrum Südosteuropa der Karl Franzens-Universität Graz, Amt der Stmk. Landesregierung - FA 1E Europa und Außenbeziehungen / europedirect in Kooperation mit Fa. Reiseparadies Kastler
Konzept: Dr. Harald Baloch, Univ.-Prof. Dr. Joseph Marko, Dr.in Astrid Kury, Dr.in Heidi Zikulnig.

Dr. Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno, Jugoslawien (heute Republik Bosnien-Herzegowina), geboren. 1993 verließ er das umkämpfte Sarajewo und arbeitete als Gastdozent an der Universität Salzburg. 1997 war er Stadtschreiber von Graz. Er schreibt regelmäßig Beiträge für europäischen Zeitschriften wie »Lettre International«, »Kursbuch«, »MicroMega« und »Les Temps Modernes«. 1999 wurde er dafür mit dem Herder-Preis ausgezeichnet. Publikationen u.a. »Der östliche Diwan«, »Schahrijârs Ring«, »Sara und Serafina«. Das »Tagebuch der Aussiedlung«, 1993, eine Beschreibung des Kriegsalltags in Sarajewo, wurde 1994 mit dem europäischen Essaypreis »Charles Veillon« ausgezeichnet und für den Essayband »Das Buch der Gärten«, 2002, erhielt Karahasan 2004 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

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