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Kippt das EU-Parlament das Glühbirnen-Verbot?

Ärger über Energiesparlampen - "Unzumutbare Preiserhöhungen"

Brüssel/Berlin, 1. Sept. 2011 - Der EU-Abgeordnete Herbert Reul (EVP/CDU) fordert die EU-Kommission auf, das Glühbirnenverbot aufgrund "gesundheitlicher Risiken" zu überdenken. Zugleich verlangt er eine Überprüfung, ob Hersteller von Energiesparlampen das Verbot für "unzumutbare Preiserhöhungen" ausnutzen. Auch aus der Steiermark gibt es Kritik. EU-Abgeordneter Jörg Leichtfried forderte im ZIB2-Interview dazu auf, die Frage nicht nur vom wirtschaftlichen Aspekt her zu betrachten.

Der Vorsitzende des Industrie-Ausschusses im EU-Parlament, Herbert Reul, erklärte gegenüber der deutschen Tageszeitung "Welt": "Ich fordere die EU-Kommission auf, das Verbot von Glühbirnen in drei Jahren zu überprüfen und den Verkauf von Glühbirnen dann gegebenenfalls wieder zu erlauben. Es muss vor allem untersucht werden, welche gesundheitlichen Gefahren von Energiesparlampen ausgehen, die jetzt die Glühbirnen ablösen."

Reul verwies gegenüber der "Welt" auf neue Warnhinweise des Schweizer Bundesamts für Gesundheit und der französischen Kommission für Verbrauchersicherheit. Beide Behörden empfehlen ihm zufolge aus gesundheitlichen Gründen einen Sicherheitsabstand von 30 Zentimetern bei Energiesparlampen einzuhalten. "In der Praxis kann dieser wichtige Warnhinweis nur selten umgesetzt werden, vor allem nicht bei Kindern", so Reul.

Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hatte Ende letzter Woche einen Sicherheitshinweis für Energiesparlampen gefordert (EurActiv.de vom 25. August 2011). Nach dem Zerbrechen einer solchen müsse "sofort und gründlich" gelüftet werden, um Gesundheitsrisiken durch Quecksilber auszuschließen. Zugleich wies das Bundesamt auf einen Nachholbedarf bei der Bruchsicherheit von Energiesparlampen hin. "Splittergeschützte Modelle mit Plastik- oder Silikonmantel bieten schon heute Vorteile, da sie das sichere Aufräumen zerbrochener Lampen vereinfachen. Benötigt werden aber noch Lampen, aus denen das Quecksilber im Falle eines Bruches gar nicht erst austritt", erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth.

Obwohl das UBA auf erhebliche Gesundheitsrisiken durch Energiesparlampen aufgrund der Quecksilber-Belastung unmittelbar nach einem Zerbrechen hinweist, hält es das EU-Glühbirnen-Verbot weiterhin für richtig. "Die bisherigen Glühlampen sind zu große Energieverschwender", so Flasbarth.

Preisanstiege von bis zu 25 Prozent

Reul fordert außerdem, dass Brüssel nach dem jüngsten deutlichen Preisanstieg bei Energiesparlampen überprüft, "ob die Hersteller von Energiesparlampen das Glühbirnenverbot für unzumutbare Preiserhöhungen ausnutzen."

Pünktlich zum Verbot der 60-Watt-Glühbirne am 1. September haben Hersteller die Preise für Energiesparlampen drastisch angehoben. Im Durchschnitt hat der Leuchtmittelhersteller Osram die Preise für Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen um 20 bis 25 Prozent angehoben, sagte Osram-Vorstand Martin Goetzeler der "Financial Times Deutschland".

Verteuerung wegen Seltener Erden?

Laut Pressemitteilung von Osram stehe dies jedoch "in keinem geschäftlichen Zusammenhang mit dem Ende der 60-Watt Glühlampe". Vielmehr sei der Preisanstieg auf "explosionsartig angestiegene Rohstoffpreise" zurückzuführen. "Die überwiegend aus der Volksrepublik China stammenden sogenannten Seltenen Erden sprangen bedingt durch Rohstoffverknappung allein in den vergangenen zwölf Monaten preislich um teilweise bis zu 1.000 Prozent." Diese werden für die Herstellung von Leuchtstofflampen "zwingend" benötigt.

Auch der niederländische Konzern Philips betont, dass es keinen Zusammenhang zwischen Preiserhöhung und Glühbirnenverbot gebe. Philips-Chef Frans van Houten habe bereits Mitte Juli bei der Vorstellung der Unternehmensbilanz für das zweite Quartal deutlich gemacht, dass angesichts steigender Kosten für Rohstoffe die Preise weltweit erhöht werden, erklärte Konzern-Sprecher Steve Klink.

Seit dem 1. September 2011 dürfen Standardglühlampen mit mehr als 40 Watt nicht mehr auf den Markt gelangen. Ab dem Herbst 2012 gilt dies auch für Lampen mit mehr als 10 Watt; Lampen mit weniger Watt, wie bei Weihnachtsbeleuchtung, sind weiter erlaubt.

Links

Presse

Die Welt: EU-Politiker will Glühbirne Hintertür offen lassen (1. September 2011)  

FTD: Seltene Erden verteuern Energiesparlampen (30 August 2011)  

Dokumente

EU-Kommission: Aus für Energieverschwender: 60-Watt-Birnen verschwinden vom Markt (1. September 2011)

OSRAM AG: Irreführende Berichterstattung zu Preisanpassungen bei Leuchtstofflampen (31. August 2011)

Umweltbundesamt: Energiesparlampen in der Diskussion (August 2011)

Mehr zum Thema auf EurActiv.de

UBA fordert Sicherheitshinweis für Energiesparlampen (25. August 2011)

Muss die Energiesparlampe verboten werden? (22. Dezember 2010)

"Energiesparlampen sind politischer Sondermüll" (3. Dezember 2010)

Das Ende der Glühbirne (31. August 2009)

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