Bled Strategic Forum 2026
(Bled, 31.8/1.9.2026). Unter dem Motto The Power to shape the Future luden die Veranstalter des Bled Strategic Forum bereits zum 21. Mal in den idyllischen Luftkurort an den Ausläufern der Julischen Alpen - und erneut folgten mehr als 2.000 internationale Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dieser Einladung. Vor dem Hintergrund einer unter Druck geratenen regelbasierten Weltordnung sowie eines zunehmenden wirtschafts- und geopolitischen Wettbewerbs debattierten hochkarätige Podiumsdiskutantinnen und Podiumsdiskutanten über Themen wie technologische Innovation, industrielle Produktivität, Wirtschaftsnetzwerke und Verkehrskorridore und nicht zuletzt auch über Notwendigkeit und Erreichbarkeit ausreichender militärischer Kapazitäten in Europa.
Das Referat Europa und Internationales nutzte die Dichte an Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem aus Zentral- und Südosteuropa für die Vertiefung der Beziehungen zu wesentlichen Partnerregionen der Steiermark, wie etwa den Westbalkanländern.
Globale Instabilität – Nimmt Europa das Heft des Handelns in die Hand?
In der Eröffnungsrunde der Premierminister blickten Andrej Babiš (Tschechien), Janez Janša (Slowenien), Péter Magyar (Ungarn) und Andrej Plenković (Kroatien) in einem kritischen Resümee sowohl auf die von außen auf die EU-27 einwirkenden Herausforderungen als auch auf „hausgemachte" Probleme während der vergangenen Jahre zurück, identifizierten mitunter den Green Deal als Standortnachteil für die europäische (Automobil-) Industrie im globalen Wettbewerb. Gleichzeitig plädierten die Regierungschefs angesichts der in die finale Phase gehenden Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen der EU für die Jahre 2028 bis 2034 für ein größtmögliches Maß an Konsensbereitschaft und Kooperation unter den Mitgliedstaaten, um die unterschiedlichen Zugänge von Nettozahlern und Nettoempfängern im Sinne des gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraums am Ende doch miteinander verbinden zu können.
Friedensnobelpreisträgerin Matviichuk: Einblicke in den nicht enden wollenden russischen Angriffskrieg

Im anschließenden Gespräch mit Sloweniens Staatspräsidentin Nataša Pirc Musar gewährte Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Matviichuk, die als Vorsitzende des Center for Civil Liberties im Jahr 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, bewegende Einblicke in die von ihr mitbegründete Initiative Tribunal for Putin. Diese hat seit Kriegsbeginn mehr als 100.000 internationale Straftaten nach dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs in allen Regionen der Ukraine dokumentiert, die zum Ziel von Angriffen der Russischen Föderation wurden. Fazit: Frieden sei mehr als die Einstellung der Kampfhandlungen, es gehe um die Freiheit und Souveränität des ukrainischen Volkes. Für jemanden, der den Frieden nicht wolle, müsse man den Preis, den er für den Krieg bezahlt, durch internationalen Druck und Sanktionen weiter erhöhen.
Die Auflösung fester Kategorien und Europas Lehren
Die Podiumsdiskussion Can Europe carry NATO? Europeanising the Alliance in an Age of Uncertainty stellte unter Beweis, dass man in Bled die Konfrontation mit (für Europa) unangenehmen Tatsachen keineswegs scheut. Für die hochrangigen Repräsentanten u.a. von deutscher Bundeswehr und französischer Armee ging es im Austausch mit Vertretern der einflussreichen NATO-Mitglieder Türkei und USA um den Eintritt in ein Zeitalter, in dem Kategorien wie Krieg und Frieden durch ein Kontinuum von militärischer Eskalation und Deeskalation abgelöst werden. Ausgehend von den bisherigen lessons learned aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine diskutierte man den kurz- bis mittelfristigen Aufbau militärischer Kapazitäten in Europa im Allgemeinen sowie die gemeinsame strategische Anschaffung von Kriegsgerät im Besonderen.
EU-Erweiterung – Nicht nur Acquis, auch Geopolitik ist ausschlaggebend

Die Runde der Außenministerinnen und Außenminister, unter anderen mit Gordan Grlić Radman (Kroatien), Anita Orbán (Ungarn) und EU-Kommissarin Dubravka Šuica, widmete sich der Frage, wie sich zentral- und südosteuropäische Länder in Zeiten geopolitischen Aufruhrs verkehrs- und sicherheitsstrategisch bestmöglich positionieren können. Nordmazedoniens Außenminister Timčo Mucunski betonte in diesem Zusammenhang die EU-Beitrittsperspektive seines Landes, die letztlich nicht allein von der Erfüllung formaler Kriterien abhängen könne. Brüssel müsse ebenso geostrategische Erwägungen miteinbeziehen. So kreuzen sich in Nordmazedonien etwa die beiden wichtigen Transeuropäischen Verkehrskorridore VIII (Adria - Schwarzes Meer) und X (Mitteleuropa - Ägäis). Außerdem brach Mucunski eine Lanze für die weiteren EU-Beitrittskandidaten am Westbalkan - eine bemerkenswerte Geste, musste doch die Republik Nordmazedonien im Zuge des Beitrittsprozesses in den vergangenen Jahren einige Rückschläge sowie Blockaden durch einzelne EU-Mitgliedstaaten hinnehmen.

Das Referat Europa und Internationales hatte zwischen den interessanten Panels die Gelegenheit, sein Netzwerk zu den Partnern am Westbalkan auszubauen - Gesprächstermine gab es mit Ervin Ibrahimović, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Montenegros für Außenbeziehungen, sowie dem Kabinett von Nordmazedoniens Außenminister Timčo Mucunski.

