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EU-Projekt "In Regionen besser alt werden"

Die Dritte Landtagspräsidentin LAbg. Barbara Gross in Lille mit dem Präsidenten des Departement du Nord Bernard Derosier ... 
Die Dritte Landtagspräsidentin LAbg. Barbara Gross in Lille mit dem Präsidenten des Departement du Nord Bernard Derosier ...
... und mit dem Leiter der Europa-Abteilung des Departements, Gregory Blin. © Land Steiermark / Abdruck honorarfrei
... und mit dem Leiter der Europa-Abteilung des Departements, Gregory Blin.
© Land Steiermark / Abdruck honorarfrei
Regionale Antworten auf eine alternde Gesellschaft
Graz/Lille (11.09.2009) Dieser Tage fand eine von der französischen Regionalregierung des Departement du Nord initiierte Konferenz zum Thema „Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen der Überalterung der Gesellschaft für die Regionen" statt. Dies bildete den Auftakt für ein gemeinsames EU-Projekt, in dem Regionen aus acht Staaten gemeinsam Lösungen ausarbeiten. Dazu sind insgesamt drei Workshops innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre vorgesehen, wo verschiedene Aspekte der Überalterung der Gesellschaft und die Auswirkungen auf deren Regionen diskutiert sowie Beispiele guter Praxis ausgetauscht werden. VertreterInnen von regionalen Gebietskörperschaften, soziale Dienstleister sowie ExpertInnen aus Belgien, Bulgarien, Frankreich, Japan, Österreich, Polen, Rumänien und Ungarn, trafen sich in Lille um Fragen, die die Ausweitung der Zugangsmöglichkeiten zu Serviceleistungen und medizinischer Versorgung ohne Unabhängigkeitsverlust für ältere Menschen betreffen, zu erörtern.
Die Steiermark wurde dabei durch die Dritte Landtagspräsidentin und Präsidentin der Volkshilfe Steiermark, LAbg. Barbara Gross sowie durch die Leiterin des Volkshilfe Instituts Connect, Mag. Regina Egger vertreten.

„Lust" des Alterns anstatt „Last" des Alterns
Barbara Gross regte in ihrem Eröffnungsreferat an, das Thema nicht nur von seinen belastenden Aspekten her zu betrachten sondern ganz bewusst auch die „Lust des Alterns" in den Mittelpunkt zu stellen. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der durch bessere medizinische Versorgung und höheren Lebensstandard Menschen länger leben als noch vor wenigen Jahrzehnten. So ist die durchschnittliche Lebenserwartung in der Steiermark in den letzten 25 Jahren um 7 Jahre angestiegen. Dies ist in jedem Fall als Fortschritt zu betrachten, stellt aber auch den Einzelnen/die Einzelne vor die Herausforderung „das Leben im Sinne einer reifenden Disposition mit Inhalten zu füllen". Für die Gesellschaft erwächst daraus zudem die schwierige Aufgabe, bei niedriger Geburtenrate und steigender SeniorInnenrate die Versorgung der älter werdenden Bevölkerung sicherzustellen. Präsidentin Gross betonte, dass die steirische Bevölkerung zurzeit nur durch Migration jährlich um 3000 Personen zunimmt. Im Rechnungsabschluss des Landes Steiermark stehen die Kosten für die Sozialhilfe inklusive der Kosten für die stationäre Pflege mit 293 Mio. Euro zu Buche; dem gegenüber stehen Einnahmen von 123 Mio. Euro.
Vehement warnte Gross auch in Ihrer Funktion als Präsidentin der Volkshilfe Steiermark davor, Seniorenghettos in der Form von „Sun Valleys" zu schaffen, wo ältere Menschen ohne Beziehung zur übrigen Gesellschaft versorgt würden. Sie stellte dem den bereits jetzt in den steirischen Seniorenzentren der Volkshilfe praktizierten Dialog der Generationen und den verstärkten Einsatz und die Wertschätzung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen entgegen. Auch betonte sie, dass es neben bester medizinischer Versorgung und Pflege auch darum geht, mit den SeniorInnen in Kommunikation zu bleiben: „Bei der Einführung der Dienstleistung Notruftelefon beispielsweise konnten wir feststellen, dass es oft nicht um den Notruf des Körpers, sondern um den der Seele ging."

Anstieg von Demenzerkrankungen
Alle in Lille vertretenen ExpertInnen wiesen auf die neuen Herausforderungen durch einen Anstieg von Demenzerkrankungen in den nächsten Jahren hin. Eine aktuelle Studie belegt, dass es derzeit in der Steiermark 14.000 Demenzerkrankte gibt. Diese Zahl wird bis 2050 auf 35.000 ansteigen. Die Pflege verwirrter alter Menschen, so Präsidentin Gross, erfordere „viel Energie, Einfühlungsvermögen und Nächstenliebe", betonte aber auch dass es spezieller räumlicher und baulicher Rahmenbedingungen in Heimen, wie beispielsweise größerer Zimmer und ausgedehnter Parks bedarf, um Demenzerkrankte optimal zu betreuen.
Der gestiegenen Pflegebedürftigkeit hochbetagter Menschen wird, so der japanische Experte für Sozialfragen M. Fúkúda, in seinem Land mit einem verstärkten Einsatz technischer Hilfsmittel begegnet. In seinem Referat demonstrierte er, wie spezielle Hebevorrichtungen vor allem pflegende Angehörige bei der Betreuung bettlägeriger Patienten unterstützen. Auch gibt es eigene Schulungen für Angehörige um ihnen den Betreuungsalltag zu erleichtern, und um präventiv in Richtung Gesundheitsförderung Akzente zu setzen. Außerdem werde versucht, in Japan im Falle von Naturkatastrophen (Überschwemmungen, Erdbeben) für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen und Kinder eigene Einsatzpläne zu entwickeln, sodass diesen rascher geholfen werden kann.

Acht Regionen unterzeichnen Projektcharta
Im Anschluss an die Konferenz wurde eine Projektcharta von den VertreterInnen aller acht anwesenden Regionen unterzeichnet. Darin wird vereinbart, die notwendigen personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit der Austausch guter Praxisbeispiele zwischen den Ländern ermöglicht und gefördert werden kann. Die Steiermark wird im nächsten Jahr im Rahmen des Projekts einen internationalen Workshop zu den Themen SeniorInnen mit speziellen Bedürfnissen (Behinderung, Demenz, Migration) sowie Arbeit älterer Menschen abhalten.

Nähere Informationen:
Mag. Regina Egger
Volkshilfe Institut Connect
Göstingerstraße 213, A-8051 Graz
regina.egger@stmk.volkshilfe.at


=> Erfahrungsaustausch zwischen Baranya (Ungarn) und der Steiermark (28.10.2009)

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