Ungarns Botschafter im "Café Europa": Herzliches Verhältnis zu Österreich

"Keine Völkerwanderung von Ungarn zu erwarten!"

Honorarkonsul Rudi Roth (links) moderierte das Café Europa mit dem Botschafter Ungarns, S.E. Vince Szalay-Bobrovniczky. Begrüßt wurden beide von Mag. Stefan Börger (rechts), dem Leiter des Referates für Europarecht und Europapolitik.
Honorarkonsul Rudi Roth (links) moderierte das Café Europa mit dem Botschafter Ungarns, S.E. Vince Szalay-Bobrovniczky. Begrüßt wurden beide von Mag. Stefan Börger (rechts), dem Leiter des Referates für Europarecht und Europapolitik.
Trotz stärkster Konkurrenz (das Café Europa fand zeitgleich mit der Hochzeit von Kate und Willy statt!) gab es sowohl im Saal als auch im Internet großes Interesse an der ungarischen Ratspräsidentschaft.
Trotz stärkster Konkurrenz (das Café Europa fand zeitgleich mit der Hochzeit von Kate und Willy statt!) gab es sowohl im Saal als auch im Internet großes Interesse an der ungarischen Ratspräsidentschaft.
Vertreter der ungarischen Vereine in der Steiermark beteiligten sich aktiv an der Diskussion.
Vertreter der ungarischen Vereine in der Steiermark beteiligten sich aktiv an der Diskussion.© Alle Fotos: EuropeDirect Steiermark / Josef Bauer, FA1E

„Das Verhältnis Ungarns zur Steiermark ist hervorragend, Firmen sind bei uns herzlich willkommen zu investieren. Und: es wird keine Völkerwanderung nach dem erstem Mai nach Österreich geben..." waren wesentliche Aussagen des ungarischen Botschafters im Café Europa am 29.April in Graz.

Seinen ersten Besuch in der Steiermark absolvierte der ungarische Botschafter Vince Szalay-Bobrovniczky heute in Graz. Neben Terminen mit Landtagspräsidenten Wegscheider und Bürgermeister Nagl stand ein ausführliches Gespräch mit Landeshauptmann Franz Voves auf dem Programm, in dem die traditionell guten Beziehungen der Steiermark zu Ungarn betont wurden. Auf Einladung der Europaabteilung und von „EuropeDirect Steiermark" beleuchtete der Diplomat mit dem ungarischen Honorarkonsul Mag. Rudi Roth u. a. die neue ungarische Verfassung, die Roma-Frage sowie die Atomkraft und die Arbeitsmarktöffnung. Aber auch der EU- Beitritt Kroatiens und andere Aktivitäten der aktuellen ungarischen Ratspräsidentschaft wurden eingehend diskutiert. Der Internet-Talk fand rege Aufmerksamkeit bei vielen Usern, die sich durch eine Vielzahl von Fragen aktiv an der Diskussion beteiligten.


Deutlich wurde in diesem Gespräch, dass die neue Verfassung Ungarns viele Werte der alten übernommen hatte, jedoch in ein geordnetes Gesetz gegossen wurde, das die Minderheiten mit einem Stimmrecht stärkt, eine Schuldenbremse vorsieht und dem Präsidenten die Auflösung des Parlaments einräumt, so es die Termine zur Budgeterstellung nicht einhält. Der offizielle Name der „Republik Ungarn" wird in ein schlichtes „Ungarn" verwandelt: „Wir bleiben aber eine demokratische Republik", beeilte sich der Botschafter zu bemerken.

Zur Roma-Frage erläuterte Szalay-Bobrovniczky, dass man seitens der Regierung sehr viel unternommen hätte, dies jedoch über die Medien nicht fair kommuniziert wurde. Dabei sprach er auch direkt die österreichische und die deutsche Presse an.


In der Causa Fukushima habe die EU richtig gehandelt und auch in Libyen habe man bei der Evakuierung wesentlich mitgeholfen. Eine Volksbefragung zum Atomausstieg Ungarns in seinem Land hält der Botschafter gegenwärtig aber nicht für möglich.

Der Beitritt Kroatiens noch während der aktuellen Ratspräsidentschaft wäre wünschenswert und würde von seiner Regierung auch angestrebt, war sehr deutlich zu hören.

In der Frage der Arbeitsmarktöffnung mit 1. Mai sieht Szalay- Bobrovniczky kein Problem und schon gar keine bevorstehende Völkerwanderung, weil die Ungarn, die in Österreich arbeiten wollen, bereits hier wären. Ungarn sei jedenfalls daran interessiert Arbeitsplätze in Ungarn zu schaffen und nicht daran ihre Leute zu „exportieren" - es sei daher keine vom Boulevard beschworene Völkerwanderung in Richtung Österreich oder Deutschland zu erwarten. Er machte im Gegenzug auf einen bedenklichen Trend aufmerksam: So würden etwa in Norwegen keine Mediziner mehr ausgebildet, sondern Ärzte nur noch aus der Europäischen Union importiert. Abschließend sagte der Botschafter, dass die Einstellung der Ungarn zur EU sehr positiv wäre, dass aber die Wahrnehmung der Europäischen Union insgesamt eine sehr geringe wäre.

Ferdinand Krainer

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